DIALOG DER IDEEN

Die Reihe widmet sich jenen, die den kulturellen und intellektuellen deutsch-französischen Austausch ermöglichen: den Übersetzer*innen. Als »Passeurs« sind sie zentral für die Verbreitung jeglicher Ideen und tragen somit eine große Verantwortung innerhalb des internationalen Kulturaustauschs.

Das vielfältige deutschfranzösische Programm mit insgesamt sechs Veranstaltungen in Form von Podiumsdiskussionen, Gesprächen und Performances gibt dem Publikum in Verbindung mit Begegnungen weiterer wichtiger Akteure der Kulturvermittlung einen Einblick in die Arbeit von Übersetzer*innen verschiedener Genres und spiegelt so auch das gesamte Spektrum der Übersetzerförderung der DVA-Stiftung wider: Belletristik, Geistes- und Sozialwissenschaften, Kinder- und Jugendliteratur, Comic und Graphic Novel und Theater. Darüber hinaus wird mit Übersetzernachlässen auch die historische und politische Verantwortung von Übersetzer*innen in den Blick genommen.

Die DVA-Stiftung

Die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland war für Robert Bosch die Grundlage für den Frieden in Europa. 1920 erwarb er die Aktienmehrheit der Deutschen Verlags-Anstalt, um einen Beitrag zur Sicherung journalistischer Unabhängigkeit, zu Vielfalt und Meinungsfreiheit zu leisten. Damit wurde der Grundstein für die 1980 gegründete DVA-Stiftung gelegt, mit deren Mitteln die Robert Bosch Stiftung heute den Dialog über Sprachgrenzen hinweg fördert. (Mehr Informationen zur DVA-Stiftung finden Sie hier).

Den Flyer zur Veranstaltungsreihe finden Sie hier.

Programmübersicht

Mittwoch, 11.10.

Übersetzermacht und -verantwortung: Elmar Tophoven und Emil Charlet

Gäste: Erika Tophoven, Patricia Klobusiczky und Andrea Prins

Moderator: Jürgen Jakob Becker

11.30 Uhr, Weltempfang Salon (Halle 3.1 L 25)

Nicht nur die Geschichte der Weltliteratur, auch die der internationalen Verständigung ist undenkbar ohne Übersetzer*innen: Sie durchbrechen Sprachgrenzen, um Ideen und Geschichten zugänglich zu machen. Ihre Nachlässe zeugen sowohl von ihrer weltliterarischen Bedeutung als auch von ihrer historischen und politischen Verantwortung. Beeindruckende Beispiele sind Emil Otto Wilhelm Charlet und Elmar Tophoven. Die Erforschung ihrer Nachlässe ist der Ausgangspunkt für eine Diskussion zur heutigen Wahrnehmung und Bedeutung von Übersetzer*innen.

Patricia Klobusiczky: freiberufliche Übersetzerin (u.a. Marie Darrieussecq, Jean Prévost, Henri-Pierre Roché) und Vorsitzende des VdÜ (Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V.) // Andrea Prins: Übersetzerin und Literaturwissenschaftlerin, die u.a. zum Nachlass des Übersetzers Emil Otto Wilhelm Charlet forscht. // Erika Tophoven: Übersetzerin (u.a. Hélène Cixous) und Autorin (›Godot hinter Gittern: Eine Hochstaplergeschichte‹ 2016, Verbrecher Verlag), Ehefrau und Nachlassverwalterin des Beckett-Übersetzers Elmar Tophoven

Moderation: Jürgen Jakob Becker, Geschäftsführer des Deutschen Übersetzerfonds und stellv. Leiter des Literarischen Colloquiums Berlin

 

Geistes- und Sozialwissenschaften: Sarah Raquillet und Hartmut Rosa

Moderatorin : Franziska Humphreys

14 Uhr, Pavillon France, Große Bühne

Resonanz und Resonanzverhältnisse, Beschleunigung und Beziehung zur Welt sind nur wenige der Begriffe, die für das Verständnis von Hartmut Rosas Essay ›Resonanz – Eine Soziologie der Weltbeziehung‹ zentral sind und die Sarah Raquillet mitsamt ihrer Bedeutung ins Französische übertragen hat. Welche Tücken und Herausforderungen die Übersetzung komplexer Ideen aus den Bereichen der Soziologie und Philosophie bergen und welches Wissen darüber hinaus beim Ideentransfer von einem Sprach- und Denksystem in ein anderes entsteht, erörtern Übersetzerin und Autor gemeinsam.

Sarah Raquillet: literarische, geistes- und sozialwissenschaftliche Übersetzerin, Alumna des Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds, Übersetzerin von Hartmut Rosas letzter Monographie für ›Les Éditions La Découverte‹ (mit Sacha Zilberfarb) // Hartmut Rosa: Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Direktor des Max-Weber-Kollegs Erfurt, u.a. Preisträger ›Tractatus Preis für philosophische Essayistik‹, Autor von ›Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung‹ (2016, Suhrkamp)

Moderation: Franziska Humphreys, Autorin, DAAD-Fachlektorin (›EHESS, Maison des Sciences de l’Homme‹), Übersetzerin (u.a. Michel Foucault), Leiterin von Symposien u.a. ›Penser en langues – In Sprachen denken‹

 

Öffentlicher Eröffnungsempfang

17 Uhr, Pavillon France, Restaurant Le Patio

 

Donnerstag, 12.10.

Lost in Translation. Performance mit Frank Weigand und Fabien Cloutier

14 Uhr, Pavillon France, Große Bühne

Was macht eine gute Übersetzung aus? Und kann ein Dialekt übersetzt werden? Können Sie sich in einen Übersetzer hineinfühlen oder haben Sie einfach nur Lust, etwas einzigartig Interkulturelles zu erleben? Frank Weigands performativer Übersetzungsworkshop stellt die Mündlichkeit der Theaterübersetzung im Gegensatz zur Prosa heraus und lädt das Publikum dazu ein, den Übersetzungsprozess live zu mitzuerleben. Entdecken Sie die Einzigartigkeit des »français québecois« und bildhafte Momente, wenn der frankophone Fabien Cloutier bei der performativen Präsentation seiner Texte mit der Verwendung von Regionalismen und Schimpfwörtern spielt und eine eigene Sprache entwickelt. Die Zuschauer*innen sind aufgefordert, sich aktiv an der Übersetzungsperformance zu beteiligen!

Frank Weigand: Übersetzer zahlreicher Theaterstücke und Sachbücher in den Bereichen Soziologie und Philosophie, freier Kulturjournalist (u.a. ›Die Deutsche Bühne‹, ›Die Welt‹, ›taz‹) und Co-Autor der Theateranthologie ›SCÈNE – neue französische Theaterstücke‹ // Fabien Cloutier: Comedian, Autor, Erzähler, Schauspieler und Regisseur, mehrfach ausgezeichnet für seine Performances und literarischen Texte (u.a. ›Prix du Gouverneur général‹)

 

Belletristik: Lena Müller und Shumona Sinha

Moderatorin: Aurélie Maurin

15 Uhr, Arte Stand (Halle 4.1/Stand D 10)

Der deutschen Übersetzerin Lena Müller ist es gelungen, die Einzigartigkeit der Literatur von Shumona Sinha, die eine bedeutende Stimme der französischen Gegenwartsliteratur ist, zu übersetzen. Für die Feinheit der Übersetzung, in der die poetische Dringlichkeit der Autorin deutlich wird, wurde das Duo mit dem Internationalen Literaturpreis 2016 ausgezeichnet. Shumona Sinha, deren Muttersprache Bengalisch ist, schreibt auf Französisch über die brennenden Fragen der Gegenwart und vermittelt ihren Leser*innen auf besondere Weise ihre Beziehung zu Indien und der Sprache ihrer Kindheit als eine kulturelle Übersetzung. Nach ›Erschlagt die Armen!‹ (dt. 2015) und ›Kalkutta‹ (dt. 2016) erschien in diesem Jahr die deutsche Übersetzung ihres letzten Romans ›Staatenlos‹ bei Nautilus.

Lena Müller: Übersetzerin, Trägerin des Internationalen Literaturpreises 2016 und 2017, Alumna des Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds // Shumona Sinha: mehrfach ausgezeichnete Dichterin und Autorin und ehemalige Dolmetscherin für Asylsuchende

Moderation: Aurélie Maurin, freie Literaturvermittlerin, Übersetzerin (u.a. Thomas Brasch, Christian Prigent), Jurorin des Berliner Senats für City Tax-Kulturmittel und stellv. Vorsitzende im ›Netzwerk der freien Berliner Literaturszene‹

 

Freitag, 13.10.

Kinder- und Jugendliteratur: Tobias Scheffel und Timothée de Fombelle

Moderator: Birgit Göckritz

14 Uhr, Pavillon France, Kleine Bühne

Kinder- und Jugendliteratur bietet einen Einstieg in die Welt der Wörter und bildet zukünftige Literaturliebhaber*innen aus. Auch in diesem Genre stellt sich die Frage nach der Übersetzung und dem angestrebten Kulturtransfer. Welche frankophonen Titel werden ins Deutsche übersetzt und warum? Ein perfektes Beispiel für die gelingende Kulturvermittlung ist Timothée de Fombelle, dessen Geschichten in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden. Dass die Abenteuer von ›Tobie Lolness‹ bereits bei Tausenden kleinen deutschen Leser*innen bekannt sind, ermöglicht Tobias Scheffel mit dem Transfer des Geschichtenreichtums vom Französischen ins Deutsche. Was sind die Herausforderungen beim Übersetzen von Kinder- und Jugendliteratur und was macht de Fombelles Werk so einzigartig?

Tobias Scheffel: Übersetzer, schwerpunktmäßig von Kinder- und Jugendliteratur (u.a. Marie-Aude Murail, Claude Ponti), u.a. Träger des Deutschen Jugendliteraturpreises 2008 und des Sonderpreises des Deutschen Jugendliteraturpreises 2011 // Timothée de Fombelle: Autor, mehrfach ausgezeichnet für seine Theaterstücke, Jugend- und Bilderbücher (u.a. ›Prix du Souffleur‹, ›Andersen Preis‹, ›Pépite d’Or‹), in Deutschland für das Jugendbuch ›Tobie Lolness‹ bekannt

Moderation: Birgit Göckritz, Lektorin von Timothée de Fombelle (Gerstenberg Verlag)

 

Sonntag, 15.10.

Comic und Graphic Novel: Ulrich Pröfrock und Riad Sattouf

14 Uhr, Pavillon France, Große Bühne

Auf der großen Bühne trifft der Übersetzer Ulrich Pröfrock den von ihm übersetzten Riad Sattouf, mit dem er in einem auf zehn Jahre angelegten Projekt den Lebensweg von Esther begleitet: Die Zehnjährige lebt mit ihrer Familie in Paris, schwärmt für ihren Vater und für Popstars (nicht aber für ihren großen Bruder!). Achtung, Esther gibt es wirklich: Die Tochter eines Freundes vertraut Riad Sattouf regelmäßig ihre Erlebnisse an. In Frankreich ist der weltweit bekannte und mehrfach ausgezeichnete Comiczeichner mit syrischen und französischen Wurzeln für seinen Comicstrip ›La Vie secrète des jeunes‹ im Satiremagazin ›Charlie Hebdo‹ und für die Serie ›Les Cahiers d’Esther‹ in ›Le Nouvel Obs‹ bekannt. Ulrich Pröfrock teilt den Erfolg in Deutschland und gibt so den nicht-frankophonen Leser*innen auf lustige, berührende und zuweilen schmerzhafte Weise die Möglichkeit, die zehnjährige Esther kennenzulernen.

Ulrich Pröfrock: Übersetzer von Comics und Graphic Novels (u.a. Blain und Lanzac, Prudhomme und Rabaté), Preisträger des Wieland-Übersetzerpreises, Gründer der Buchhandlung ›X für U‹ in Freiburg mit Spezialisierung auf Comics und Grafik // Riad Sattouf: Autor, Comiczeichner und Filmemacher. Er war u.a. für Charlie Hebdo tätig. Mehrere von seinen Graphic Novels wurden in Deutschland übersetzt, wie z.B. Esthers Tagebücher. ›Der Araber von morgen‹ wurde beim Internationalen Comicfestival von Angoulême als ›Bestes Album‹ ausgezeichnet.

 

Veranstalter : Institut français Stuttgart und Robert Bosch Stiftung

In Zusammenarbeit mit "Frankfurt auf Französisch".

 

Ansprechpartnerin

Mathilde Fourgeot
0711 2392521